| Sehr geehrte
Eltern! Die Lehrerschaft hat
sich entschlossen, am 5. Dezember 2000
einen eintägigen Warnstreik
durchzuführen, wozu wir in der Zeit von
8:00 bis 10:00 Schüler- und
Elternvertreter herzlich einladen. Wir
bedauern, dass dieses in der zweiten
Republik einmalige Vorgehen unvermeidlich
geworden ist. Eigentlicher Grund ist die
Weigerung unseres Dienstgebers, mit den
gewählten Vertretern Verhandlungen über
geplante Veränderungen unserer Bezahlung
beziehungsweise unserer Arbeitszeit zu
führen.
Die Pläne der Regierung sind ein
weiterer Schritt in Richtung
Bildungsabbau, der schon seit einigen
Jahren scheibchenweise betrieben wird. So
stiegen zum Beispiel die
Klassenschülerzahlen deutlich an, sodass
eine Klasse mit über 30 Schülern heute
keine Seltenheit mehr ist. Die Reduktion
der Stundentafeln (weniger Deutsch-,
Mathematik und Englischstunden in der
Unterstufe im Gesamtausmaß von 6
Stunden) hat ebenso zu einem
Qualitätsverlust der Ausbildung
beigetragen wie die Kürzung der
Fortbildungsseminare für Lehrer von 5
auf 3 Tage. Zahlreiche weitere
Maßnahmen, die im Detail anzuführen
hier den Rahmen sprengen würde, haben
uns nun veranlasst, zum Mittel des
Streiks zu greifen, da andere Strategien
bisher zu keinem Erfolg geführt haben.
All die bereits durchgeführten
Vorhaben der Regierung sind genauso reine
Sparmaßnahmen ohne jeden pädagogischen
Hintergrund wie die nun geplanten:
Statt wie am 4.10. zwischen
Dienstgeber und Gewerkschaft verhandelt,
sieht das einseitig vom Dienstgeber
beschlossene Maßnahmenpaket
einschneidende Eingriffe in den
Schulbetrieb vor:
Pädagogisch relevante Bereiche wie
etwa Klassenvorstand oder Schülerberater
sollen aus der Einrechnung in die
Lehrverpflichtung herausgenommen werden,
was einen deutlichen bildungspolitischen
Rückschritt darstellt, denn es würde
dazu führen, dass Klassenvorständen
sowohl für ihre unterrichtliche
Tätigkeit (Vor-, Nachbereitung des
Unterrichts, Korrekturen) als auch für
ihre pädagogische Arbeit außerhalb des
Unterrichts (Gespräche, Beratung,
Betreuung, etc.) weniger Zeit als bisher
zur Verfügung steht. Zahlreiche Lehrer
würden entweder eine zusätzliche Klasse
unterrichten oder durch Klassentausch
wenigstens eine oder zwei Stunden mehr
unterrichten müssen. Dadurch würden
Verträge junger Kolleginnen und Kollegen
nicht verlängert beziehungsweise
Junglehrerinnen und lehrer nicht
eingestellt, was ebenso zu einer
Qualitätsminderung führt (Überalterung
des Lehrkörpers, fehlenden Innovation).
Außerdem sollen plötzlich anfallende,
einzelne Vertretungsstunden nicht mehr
bezahlt werden.
Besonders empörend empfinden wir,
dass das Ergebnis einer von
Unterrichtsministerium, Finanzministerium
und Gewerkschaft Öffentlicher Dienst bei
einem renommierten Institut in Auftrag
gegebene Studie zur Lehrerarbeitszeit,
die auf breiter Basis (rund 6800
Lehrerinnen beziehungsweise Lehrer wurden
befragt) erstellt wurde, entgegen
anderslautenden Zusagen nicht abgewartet
wurde, um im Lichte dieser Ergebnisse
über sinnvolle Maßnahmen zu beraten.
Die öffentliche Präsentation erfolgte,
nachdem das Maßnahmenpaket bereits
beschlussreif dem Parla-ment vorgelegt
worden war.
Niemand streikt, weil es Spaß macht.
Nach mehreren "Lehrerpaketen"
haben wir den Glauben an unseren
Arbeitgeber verloren. Zu oft wurde uns
gesagt, mit der jeweils letzten Maßnahme
werde nun das Auslangen gefunden. (Die
Entwicklung der Lehrergehälter verläuft
schon seit mehreren Jahren nicht mehr
annähernd entsprechend der anderer
Berufsgruppen.) In Fortsetzung des
gefahrenen Kurses müssten in den
folgenden Jahren noch schärfere
Maßnahmen ergriffen werden, weil das
Unterrichtsbudget eingefroren werden
soll. Der Löwenanteil dieses Budgets
besteht aber aus Personalkosten
wir wehren uns also besser jetzt als
nächstes oder übernächstes Jahr.
Die Lehrerschaft verschließt sich
nicht dem Ziel, die vorhandenen
finanziellen Mittel im Bildungsbereich
intelligent und sinnvoll einzusetzen,
jedoch ist niemand an einer Rezession des
Bildungsangebotes oder gar einem
Bildungsabbau auch nur im Geringsten
interessiert, wozu aber die vorgesehenen
Maßnahmen notwendigerweise führen
müssen.
Die Personalvertretung am GRG XIX,
Billrothstraße 73
PS: Nützliche Links:
Schlussfolgerungen
der Lehrerarbeitszeitstudie
Aktuelles
aus unserer Schule
Lehrerarbeitszeitstudie
im Volltext
Schulen gegen die
geplanten Verschlechterungen im
Bildungsbereich
Beamtengewerkschaft -
Aktuelle Meldungen zum Thema
GEGEN
DAS KAPUTTSPAREN DER ÖFFENTLICHEN
SCHULEN
Wir streiken nicht für finanzielle
Privilegien
Wir streiken nicht für Frühpensionen
mit Sonderabfertigungen
Wir streiken auch nicht für das
Regierungsversprechen einer
Anstellungsgarantie
Wir streiken gegen die geplante
Arbeitszeiterhöhung
Wir streiken gegen die ständige
Missachtung unserer Arbeit durch die
Regierung
Wir
brauchen
Zeit für die Arbeit mit unseren und
für unsere Schüler
Zeit für individuelles Fördern und
individuelles Lernen
Zeit für lebendigen Unterricht und
Schulveranstaltungen
Zeit für Projektarbeit und
Schulentwicklung
Zeit für Fortbildung und
Qualitätssicherung
Wir wehren
uns
Gegen jede Erhöhung der
Klassenschülerzahlen
Gegen jede Form der Lehrpflichterhöhung
Gegen das Verhindern von
Bildungsangeboten
Daher
fordern wir
Anerkennung unserer Arbeit
Rücknahme der im Parlament
durchgepeitschten bildungsfeindlichen
Budgetbegleitgesetze
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