Maturantenabschiedsfeier 7.5.2010:
Programm, Texte und Photos
 

 

Programm:

 

 

Verabschiedung der 8. Klassen

am 7. Mai 2010 um 10.45 h im Veranstaltungssaal der Schule

 

Begrüßung durch den Herrn Direktor

 Für einen Augenblick den Schritt anhalten: Prof. Johann Ferstl

Musik: Enya - Pilgrim

Am Ende der Schulzeit: Lukas Wolfger

Prof. Renate Klag

Prof. Birgit Kreisler

Prof. Christian Dohlhofer

 Musik: STS - Herz muss immer Trumpf bleib’n

Meditation: Prof. Johann Ferstl

Lied: Meine Zeit

Aus dem Buch der Weisheit liest Lukian Guttenbrunner

Zum Bibeltext: Prof. Nikolaus Werle

Lied: As the deer

Gebet: Dominik Braunsteiner

Musik: Moby - Look back

Segen: C. Dohlhofer, J. Ferstl, R. Klag, B. Kreisler, N. Werle

Lied: Oh happy day

Musik: Gorillaz - On melancholy hill


 

 

Texte:

 

Abschlussrede von Christian Dohlhofer (KV 8C):

Alle ehemaligen SchülerInnen der 8C wurden mit dem Hinweis der unterschiedlichen Verweildauer am GRG XIX namentlich genannt. Erwähnt wurde, dass seit dem Eintritt in das GRG XIX fast 250 000 000 Sekunden verstrichen sind. Die Exkursionsziele wurden aufgelistet. Rückblickend wurden wichtige Inhalte des Mathematik- und des Geographie und Wirtschaftskundeunterrichts dargelegt. Der babylonische Spruch „Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben. Sie ist böse gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten.“ wurde zu entkräften versucht. Kritik an den derzeitigen Schulreformen blieb nicht aus. Mit den besten Wünschen für die Zukunft wurden die Maturakandidatinnen und Maturakandidaten verabschiedet.

 

 Aus dem Buch der Weisheit (7, 7b - 12)
gelesen von Lukian Guttenbrunner, 8 C

Ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.
Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.
Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich.
Denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.
Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor.
Denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.
Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.
Ich freute mich über sie alle, weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, ich wusste aber nicht, dass sie auch deren Ursprung ist.
Uneigennützig lernte ich und neidlos gebe ich weiter, ihren Reichtum behalte ich nicht für mich.
Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen.
Alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes.

 

Über Weisheit und Borniertheit
von Nikolaus Werle

         Jetzt ist er also da, der letzte Schultag! Viele Jahre seid ihr in diesem Gebäude ein- und ausgegangen. Ihr habt die Möglichkeit wahrgenommen, Freunde zu treffen und unsympathische Typen kennen zu lernen. Ihr konntet Lehrer und Eichhörnchen, falls ihr einen entsprechenden Klassenraum hattet, beobachten. Oft habt ihr euch die Ohren zugestöpselt, ihr habt euch gelangweilt, einige haben geraucht, die meisten haben das Büffet frequentiert, aber gar nicht so selten seid ihr auch zu Erkenntnissen angeregt worden und nicht wenige von euch haben auch welche vermittelt.

         Was liegt daher in dieser bedeutungsvollen Stunde näher als über Weisheit und ihre hässliche Verwandte, die Borniertheit, zu sprechen?

         Das Buch der Weisheit, aus dem wir soeben einen Abschnitt gehört haben, ist das jüngste Buch des AT. Dieses Buch entstand in der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts in Alexandria, der damals zweitgrößten Stadt des Römischen Reiches. Es wurde in griechischer Sprache geschrieben und ist von jenem hellenistischen Geist inspiriert, der Weisheit als Quelle jeder Erkenntnis betrachtete. Soviel über den historischen Hintergrund, als Griechenland noch die Bewunderung der Welt erregte...

         Was meinten die Alten mit Weisheit? Sie zählten sie zu den Grundbegriffen einer umfassenden Daseinsorientierung. Im Unterschied zum Schwätzer, der über alles nörgelt und alles besser weiß, ahnt der Weise, dass Urteile, mit denen die Dummheit oft protzt, und die vielen Worte, mit denen die Menschen sich rechtfertigen und ins rechte Licht rücken wollen, keine Attribute der Weisheit sind. Und schon gar nicht ist die Rechthaberei ein Ausdruck von Weisheit.

         Ein Kaufmann beklagte sich beim Rabbiner über seinen betrügerischen Teilhaber. Der Rabbiner hörte aufmerksam zu und sagte schließlich: „Du hast recht.“ Eine halbe Stunde später erschien der Teilhaber und schilderte ihm denselben Sachverhalt aus seiner Sicht. Der Rabbiner wog das Gehörte ab und sagte dann: „Du hast recht.“ Die Frau des Rabbiners, die vom Nebenzimmer aus alles mitangehört hatte, stellte ihren Mann zur Rede: „So geht das nicht: Entweder hat der eine recht oder der andere. Beide können nicht gleichzeitig recht haben.“ Daraufhin schaute der Rabbiner seine Frau an und sagte: „Du hast recht.“

         Im Bereich der Naturwissenschaften ist die Frage danach, wer recht hat, sicherlich bedeutsam. Im täglichen Leben, glaube ich, kommt es aber nicht so sehr darauf an, recht zu behalten, sondern darauf, weise zu handeln. Und was bedeutet nun Weisheit? Jeder von euch kennt das lateinische Wort für Weisheit, sapientia. Und jeder von euch weiß, dass dieses vom Verbum sapere hergeleitet wird, das eigentlich schmecken bedeutet. Würden wir in geistigen Dingen, wie Nietzsche sagt, unseren Geschmack kultivieren und uns nicht mit grässlichem Junk zufrieden geben, dann wäre es um uns und die Welt besser bestellt. Wir erheben zwar einen hohen Anspruch, aber meist verströmen wir die Monotonie der beschränkten Perspektiven.

         Im vorher gehörten Text aus dem Weisheitsbuch gibt es einen Hinweis, den ich für überaus bedeutsam halte: „Uneigennützig lernte ich und neidlos gebe ich weiter“. Ein besseres Programm für das Leben ist mir noch nicht untergekommen. Dass mit der Matura auch für euch das Lernen nicht beendet ist, sondern dass es ein Fundament eures Lebens bleibt oder endlich wird, das wünsche ich euch ganz ausdrücklich. Das Erlernte uneigennützig und neidlos weitergeben, sichert uns nicht nur die Achtung der anderen, sondern macht uns selbst glücklich und ist ein Zeichen wahrer Bildung.

         Als im 18. und 19. Jahrhundert die Aufklärung ihre große Zeit hatte, duldete man keine unbedachten oder beliebigen Meinungsäußerungen, sondern strebte nach einer geistigen Gemeinsamkeit eines intellektuell anspruchsvollen Weltbürgertums, dessen Merkmal das Argument sein sollte. Doch was ist aus diesem Anspruch geworden? Heute meint man, jeder soll seine noch so schlecht begründete Meinung sagen, auch wenn es der größte Unsinn oder, noch schlimmer, die größte Unwahrheit ist. Die anspruchsvolle Haltung der Aufklärung musste dem Geschwätz weichen...

         Wo früher einmal Bürger gewesen sein mögen, sind heute Jobber, Experten und andere Untote, die ständig auf Trab sind und etwas tun und ansonsten gänzlich ungerührt noch über die größten Ungeheuerlichkeiten hinwegvegetieren.

         Da ich an die Erziehbarkeit des Menschen glaube, hoffe ich, dass ihr ganz anders werdet.

         Daher möchte ich am Schluss dieser Überlegungen einen Wunsch an euch, der eigentlich eine Hoffnung ist, formulieren: Verzichtet auf geschwätzige Urteile und Rechthabereien, denn in den allermeisten Fällen ist Barmherzigkeit das Licht am Ende des Tunnels menschlicher Unerbittlichkeit. Ein unerschöpflicher Schatz ist die Weisheit für die Menschen, so steht es im Weisheitsbuch. Da ihr euer Leben weder verlängern, noch verbreitern könnt, wohl aber vertiefen, grabt, so tief es geht, nach diesem Schatz!

 

Noch fehlende Texte folgen (hoffentlich) in den nächsten Tagen

 

 

Photos von Prof. Werle:

 

"Maturastreiche":

 

 

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