Prof.Mag.Helmut
HORNEK:
Die Billroth'sche Fußballschmiede
Billroth 73 und Fußball, eine
jeden Schulsportexperten in Entzücken versetzende
Verbindung von langem Bestand. Sucht man nach den Wurzeln
dieser Erfolgskombination, muss man in unseren
Schulannalen bis in die frühen 70-er Jahre
zurückblättern. Zu dieser Zeit wurden nämlich
bundesweit dem Fußball durch die aus der Taufe gehobene
Sparkassen-Schülerliga Türen und Tore der Schulen
geöffnet. War dieses Sportspiel bis dahin im
Schulbereich eher verpönt, so trug der nunmehrige
Dauerbrenner SCHÜLERLIGA wesentlich zu dieser positiven
Entwicklung bei. Mini-Bewerbe, wie die in Kurzform
durchgeführte Meisterschaft der Oberstufe bzw. die an
einigen Sporttagen abgehaltenen Kurzspiele der
14-Jährigen gehörten ab nun der Vergangenheit an.
Zu dieser Sportaufgeschlossenheit
seitens der Schulbehörden (BMUK, Stadtschulrat für
Wien) und der Landesfachverbände (Wiener
Fußball-Verband) gesellte sich nun auch zunehmendes
Interesse von Medien und Sponsoren (
Österr.Sparkassenverband, ERSTE Bank, s-Bausparkasse und
s-Versicherung sowie PUMA Austria Dassler ); eine
mächtige Verbindung mit enormen logistischen und
finanziellen Ressourcen, die dem Schulfußball bald zur
Seite stand. Das Ziel all dieser Bestrebungen, des neuen
Fußball-Booms schlechthin sollte nicht eine
Konkurrenzierung der Vereinsmeisterschaften, sondern eine
Ergänzung dazu sein. Was nun unsere Schule betrifft,
* so war auch sie von diesem
bundesweiten Trend erfasst,
* so konnten sich unsere " Ballzauberer "
zusätzlich der Gunst des jeweiligen Direktors,
* jeglicher Unterstützung durch die Kollegenschaft und
den Elternverein sowie
* einer schier endlosen Opferbereitschaft der Eltern
erfreuen.
Zudem wurde Anfang der 70-er
Jahre ein Fußballbesessener, Prof. Helmut HORNEK
(A-Lizenz Trainer und durch langjährige Vereinsarbeit
"vorbelastet" - und somit in diesem Metier
"mit allen Wassern gewaschen") mit der Leitung
und Arbeit der Kreativabteilung FUSSBALL betraut.
Die Rahmenbedingungen für einen
konzeptionierten, kontinuierlichen Aufbau unseres
Schulfußballs waren somit gegeben, in jahrelanger Arbeit
mit den einzelnen Altersstufen wurden erste Erfolge für
unsere " Billroth " eingefahren. Da die
Resultate der Billroth'schen Fußballschmiede weit über
die Grenzen unserer Schule hinaus bekannt waren,
bekundeten die Fußballvereine im Einzugsbereich unseres
Gymnasiums in den 80-er Jahren reges Interesse an einer
Zusammenarbeit mit der "Schule im Grünen".
Die Folge war eine
Umstrukturierung und eine entsprechende Arbeitsaufteilung
/ Abstimmung :
Der Sportklasse in der
Anfangsphase dieser Verbindung folgte die Fußballklasse;
gezielte sportmotorische Grundausbildung,
Geschicklichkeit, Gewandtheit, Ausbildung der
koordinativen Fähigkeiten etc. wurden von nun an
vornehmlich von der Schule abgedeckt, die Ausbildung der
technischen Fertigkeiten und taktischen Fähigkeiten
oblag den Vereinen.
Fortan wurden auch diverse
Schulwettkämpfe mit den talentiertesten
"Rastellis" beschickt; dabei waren das Studium
der jeweiligen "Gegner" , die Erstellung und
Besprechung eines taktischen Konzepts, die vermeintlich
optimale Besetzung der Spielpositionen, die Abstimmung
der Akteure der verschiedensten Vereine, die Freistellung
der "Kicker" von Unterrichtsstunden und immerzu
Motivation die Hauptanliegen des Betreuers. Nach all den
Jahren führt eine Tour durch die diversen Ergebnislisten
der Wiener Landesmeisterschaften den interessierten
Betrachter an 5 signifikanten Daten vorbei :
* An der Saison 76/77, wo unsere
Oberstufenvertreter erstmals in der jungen
Schulgeschichte den Titel eines Wiener Landessiegers
erringen konnten;
* in der Saison 83/84 erreichten unsere Oberstufen- wie
auch unsere Mittelstufencracks den jeweiligen
Landesmeistertitel, die Schülerliga-Buben holten einen
tollen 3. Platz;
* neuerlicher Donnerschlag aus der "Billroth"
in der Saison 88/89:
Oberstufe
- 1.Platz
Schülerliga
- 1.Platz
Mittelstufe
- 3.Platz;
* Billroth-Festspiele folgten auch 95/96, als jedes
Wiener Landesfinale mit Billroth-Beteiligung vor sich
ging; leider verließen wir 3-mal als Verlierer das
Stadion-Oval;
* 1998/99 konnten unsere Schülerliga-Zwerge nach
mehrmaligen vergeblichen Versuchen erstmals den Titel
eines Österreichischen Meisters, eines Champions im
Technik-Bewerb an die Fahnen Billroths heften.
Inzwischen haben unsere
Fußballer für eine ansehnliche Sammlung von Pokalen
gesorgt, und zwar
21 Titel (11x Oberstufe, 3 x
Mittelstufe, 2 x Schülerliga, 5 x Schülerliga-Technik),
25 x 2.Plätze (8 x OSt, 4 x MSt, 3 x SL, 9 x SL-Technik,
1 x SL-Cup) und
28 x 3.Plätze (11 x OSt, 4 x MSt, 11 x SL, 2 x
SL-Technik).
Angespornt durch obgenannte
Erfolgsquote kam es folglich in jüngster Vergangenheit
zur vorsichtigen Annäherung Schule - Spitzensport; denn
hier wie da werden doch mitunter gemeinsame Ziele, wie
das systematische Finden sowie die langfristige und
altergerechte Ausbildung sportlicher Talente verfolgt.
Der langfristige Leistungsaufbau - das ist ein
zielorientierter Entwicklungsprozess der sportlichen
Leistungsfähigkeit und der Leistungsbereitschaft, der,
um SCHNABEL / THIESS ( Lexikon Sportwissenschaft.
Leistung-Training-Wettkampf. S. 532 , Sportverlag Berlin
1993 ) zu zitieren "in inhaltlich akzentuierten und
systematisch aufeinander aufbauenden Etappen
sportartspezifisch konzipiert und realisiert wird".
Für das systematische Finden, für die gezielte
Sichtung, Auswahl und Förderung sportlicher Talente mit
leistungssportlicher Perspektive sind insbesondere jene
Beiträge der Sportwissenschaft, staatlicher
Einrichtungen und der sportlichen Praxis von besonderer
Bedeutung, die auf eine optimale Beeinflussung und
Ausprägung der psychischen, physischen und
sportmotorischen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
zielen. Österreich fördert den Breiten-, Schul- und
Leistungssport in ganz unterschiedlicher Art und Weise.
In diesem Zusammenhang ist der Beitrag der Schulsport-
und Leistungsmodelle von enormer Bedeutung, in denen u.a.
die erziehlichen Anliegen mit den Erfordernissen eines
modernen Wettkampfgeschehens in Einklang zu bringen sind.
Die praktische Umsetzung findet
sich bisher an den Sporthauptschulen (SHS), sowie an den
Schulversuchen, die eine ausgezeichnete Symbiose von
Schule und Sport ermöglichen. Damit meint die
Schulbehörde die Einrichtung eines 5-jährigen
Oberstufenrealgymnasiums (ORg) bzw. einer 4-jährigen
Handelsschule (HASch), wo die Lehrstoffverteilung über
einen größeren Zeitraum somit eine bessere Anpassung an
Wettkampf und Training ermöglicht. Insbesondere diese
Schulversuche sind mit ihrem Beitrag im Rahmen des
langfristigen Leistungsaufbaus des jeweiligen
Sportfachverbandes positiv zu bewerten, wenn mit der
Aufnahme an diesen Schulen bereits erste,
sportwissenschaftlich abgesicherte und durch
praxisrelevante Erfahrungen gestützte Sichtungs- und
Auswahlverfahren zur Anwendung kommen, die garantieren,
dass tatsächlich sportliche Talente aufgenommen werden,
welche die gewünschten Potenzen für eine
leistungssportliche Entwicklung besitzen bzw. vermuten
lassen.
Nun, das neueste Projekt der ÖFB
(Österr. Fußball-Bund) - Partnerschulen, die Verbindung
Schule - LAZ (Landesverbandsausbildungszentrum), besser
Schule - Spitzensport, ist zeitig begrenzt unterhalb
zuvor genannter beider Schulversuche angesiedelt; dabei
werden die Schüler der 5. bis 8.Schulstufe angesprochen.
Unsere Schule, die "Bi 73" wird sich im
Schuljahr 2001/02 mit der Eröffnung einer LAZ-Klasse
(5.Schulstufe = 1.Klasse AHS) in obiges Projekt
einklinken und versuchen, einen bescheidenen Beitrag zur
Talenteförderung zu leisten. Eine Mission, hinter der
die Philosophie des ÖFB steht, nämlich :
Beste fußballerische Ausbildung
Beste schulische Ausbildung
Beste menschliche Ausbildung - d.h.
Durch qualifizierte Trainer,
unter sehr guten Trainingsbedingungen, mit modernster
Ausrüstung und unter medizinischer und
sportwissenschaftlicher Betreuung sollen die Jugendlichen
altersgemäß in den technischen Fertigkeiten und
taktischen Fähigkeiten auf die Anforderungen des
Spitzensports vorbereitet werden. Eine Ausbildung, die
systematisch, flexibel und auf die Anforderungen eines
sich ständig entwickelnden Fußballs abgestimmt sein
muss. Bereits hier soll ein qualitativer Unterbau bei der
Heranbildung von Profifußballerngeboten werden.
Mit Hilfe von Schulkooperationen
soll den talentierten Nachwuchsfußballern die
Möglichkeit geboten werden, fußballspezifische und
schulische Ausbildung zu verbinden. Dies ist in der 5.und
6.Schulstufe insofern von großer Bedeutung, da der
Jugendliche neben 4 Stunden Leibeserziehung (nur
vormittags) noch je 2 Stunden LAZ-Spezialtraining
(vor-bzw. nachmittags) zuzüglich 3 Trainingseinheiten a.
2 Stunden ( nachmittags ) bei seinem Stammverein zu
absolvieren hat. In der 7.und 8.Schulstufe kommt es bei
gleichbleibender Anzahl der Trainingseinheiten lediglich
zu einer Umgewichtung in Richtung spezielle Ausbildung.
| Eine Ergänzung
finden die Schulkooperationen durch pädagogische
Lern- und Tagesbetreuung; zudem sollen durch den
ständigen Kontakt Schule - Verband Probleme bzw.
Lernschwierigkeiten rechtzeitig erkannt bzw.
dagegen vorgegangen werden. Im ständigen
Kontakt Eltern - Schule - Verband sollte sich die
große Verantwortung zeigen, die allen am Projekt
beteiligten Personen zukommt, eine umfassende
Persönlichkeitsentwicklung sollte auch mit dem
jedem Mannschaftssportler eigenen Sozialverhalten
einhergehen.
Nach eingehenden
Gesprächen mit dem WFV ( Wiener Fußball-Verband
), mit dem Präsidenten, Herrn KR EHRENBERGER
sowie dem Verbandstrainer Peter LEITL
(Letztgenannter hat in zahlreichen, intensiven
Gesprächen mit mir nicht nur diverse Details
ausgearbeitet, sondern darüber hinaus den Weg
für ein Zustandekommen dieses Projekts mit
unserer Schule geebnet), nach Abklären der für
unsere Schule geänderten Gegebenheiten (betreffs
Stundenplanerstellung, Tagesheimbetreuung,
Tutorenstunden, Turnsaal-/Sportplatzreservierung
etc.) sieht die große Billroth'sche
Schulgemeinde dem Anlaufen dieses Projektes
äußerst optimistisch entgegen und freut sich
schon jetzt auf das Schuljahr 2001/02, das dieses
Mal unter ganz besonderen Auspizien stehen wird.
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Helmuth Hornek
Der Vater der Billroth'schen Fußballschmiede
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